Mythos Törn Kykladen 2007

Samstag 12.05.07
Segeln in den Kykladen - das ist das Ziel des diesjährigen Törns. Gut gelaunt landet unsere Crew gegen 17.00 Uhr in Athen. Wir, das sind Peter Mentges, Carlo Wanger; Thomas Schmitz, Ralf Taube und Volker Brügel. Auf dem Weg nach Lavrion fällt uns das erste Zeichen der Globalisierung auf - das blau-gelbe Möbelhaus ist auch hier vertreten. Die Basis im Hafen ist in schwedischer Hand, wir befürchten, dass dies ein 'Ikea-Törn' wird....
Die Sonne lacht und die See sieht schon nach Wind aus. Was will das Seglerherz mehr? An Bord unserer Yacht, eine Bavaria 39, wartet auch schon die Übergabecrew. Alles macht einen guten Eindruck und auch das Schiff ist bestens ausgestattet (Ikea). Die schwedische Hostess hatten wir allerdings vergessen zu buchen. Nachdem wir alles selbst eingeräumt haben, kehren wir zum ersten griechischen Essen ein.

Sonntag
Den sonnigen Tag mit Windvorhersage bis 6 bft N starten wir mit Kurs auf (I)Kea. Dort finden wir die schöne Badebucht Kavia für eine Pause. Während ein Teil bei noch frischen Temperaturen von ca 16° C schwimmen geht, bereiten die anderen einen leckeren Salat vor. Dann geht es mit Vorwindkurs schnell Richtung Kithnos. Da ein Sturmtief angesagt ist, wollen wir im kleinen Hafen von Mericka anlegen. Die Farbmarkierungen an der Ankertrosse sind sehr hilfreich zum Erkennen der Kettenlänge, doch reicht ein Zurufen nur der Farbe nicht aus!
Wir verwenden unsere 50m-Kette komplett, die Gangway reicht gerade noch an Land.
Die Taverne liegt direkt am Hafen, wir genießen viele griechische Vorspeisen und frisch gegrillte Dorade mit herrlichem Sonnenuntergang. Danach finden wir passend zum Ausklang eine Lounge.

Montag
Nach einem guten Frühstück legen wir ab. Mit Halbwindkurs und gerefften Segeln kommen wir flott voran. Dabei diskutieren wir, wie ein Boot seniorengerecht gemacht werden kann. Die Wellen und der Wind nehmen zu, so dass der Steuermann öfters geduscht wird. Doch nach einer Weile lässt der Wind nach und wir beschließen, unser Ziel zu ändern und nach Serifos zu segeln.
Beim Erreichen der Bucht, die als gut geschützt ausgewiesen wurde, werden wir mit heftigen Fallböen überrascht! Unseren Anker legen wir sicher in Sand und beobachten kritisch, wie sich das Schiff bei jeder Böe dreht und kräftig am Anker zerrt. Der Anker hält und wir Essen Spaghetti an Bord, da an einen Tavernenbesuch mit dem Dinghi nicht zu denken ist. Bei heftigen Windböen bis zu 20m/s entscheiden wir, über Nacht Ankerwache zu schieben. Die Wache wird mit einem tollen klaren Sternenhimmel und Sternschnuppen belohnt. Da erscheint das kräftige Gezerre der Ankerkette bald normal.

Dienstag
Der Anker hat gehalten und trotz Skepsis, ob wir den Anker bei noch immer starkem Wind gut bergen können, läuft alles glatt. Wir segeln bei 4-5 bft zur nächsten Insel Sifnos in eine Badebucht. Dort ist es ruhig und hat schöne Felsen zum Schnorcheln. Leider ist das Wasser zu kalt. Unser heutiges Ziel, Paros, ist noch ca. 25sm entfernt, so legen wir gleich wieder ab. Der Wind hat inzwischen stark abgeflaut, übrig geblieben sind nur noch große Wellen, die uns kräftig durchschaukeln. Die Aktivitäten unter Deck werden sichtlich unbeliebt und stark eingeschränkt. Als wir endlich die weite Bucht von Paros sehen, ist es schon Abend.
An einer alten Windmühle vorbei, dahinter viele weiß getünchte Häuser und Kirchen und am Berg oben die venezianische Burg, so gelangen wir zu unserer Ankerbucht gegenüber dem Stadthafen Paroika. Beim Landgang durch die Stadt haben wir herrliche Ausblicke aufs Meer mit stimmungsvollem Sonnenuntergang.

Mittwoch
Nach einem morgendlichem Bad im Meer verholen wir uns am Hafenpier von Paroika, um einen Bummel durch die Altstadt zu machen. Malerische Gassen, verwinkelte Häuserfronten sowie die frühchristliche Kirche (Die Hunderttorige) lassen uns in das kykladische Leben eintauchen.
Der Wind lässt uns heute im Stich und so motoren wir nach Syros. Während wir uns noch entspannt unterhalten, lesen oder ein Nickerchen machen, sichten wir vor uns mehrere Delphine. Wir fahren dichter dran und beobachten begeistert, wie sie neben und unter uns herumschwimmen. Für kurze Zeit sind wir mit unserem Boot ihr Spielplatz. Unser Ankerplatz ist heute die Bucht Kyni, dort finden wir noch eine Boje zum festmachen. Erst nach eingehender Prüfung der Tauglichkeit der Boje bleiben wir hier.
Die Taverne mit sicherem Blick aufs Boot und untergehender Sonne mit dem typischen griechischen Essen runden den Tag ab.

Donnerstag
Bei wieder strahlendem Wetter genießen wir das Bad im Meer. Da der Wind inzwischen auf südwestliche Richtung gedreht hat, laufen wir nun mit Halbwindkurs wieder Richtung Kea. Der Wind bläst nach einem Mittagsschläfchen wie angekündigt
(Herberts Wetter-SMS sind sehr hilfreich!) mit 6 bft und bringt uns flott zur Badebucht. Hier liegen wir neben einer riesigen Luxusyacht und genießen das einfache Leben.
Den Schlag zur nächsten sicheren Bucht nehmen wir richtig sportlich, viele schnelle Wenden und immer maximale Höhe bei 7 bft. In der Bucht können wir noch einen Platz an der Pier ergattern. Die Tavernen liegen gleich dahinter und ein gutes Essen lässt den Tag ausklingen.

Freitag
Der Morgen beginnt bei SW-Wind 5-6 bft. Wir segeln hoch am Wind in Richtung Kap Sounion, dem berühmten Tempel, der auf einem Felsen weithin sichtbar ist. Bei unserem Kurs werden wir heftig von den hohen, brechenden Wellen durchgeschaukelt.
Eine Wende muss gefahren werden, die Schoten werden dicht geholt und plötzlich rauscht die Genua aus! Der Knoten im Schothorn hat sich gelöst! Gemeinsam haben wir alles gleich wieder unter Kontrolle, doch ohne Genua kommen wir nicht voran. Den Knoten während der Fahrt neu zu stecken, lassen wir sicherheitshalber sein und fahren die letzten Seemeilen unter Motor bis zu unserem Ausgangshafen Lavrion.
Bald liegen wir sicher am Pier der Segelbasis. Bei unserem großen Heckfender geht jetzt auch noch der Knoten auf und er schwimmt durch die ganze Hafenanlage davon. Wir können glücklicherweise sehen, in welche Ecke er treibt, um in später wieder einzufangen.
Nach der obligatorischen Schiffsabnahme kehren wir in unsere "Stammtaverne" ein.
Bei gegrilltem Fisch und Wein sind wir ganz glücklich und zufrieden.

Samstag
Das Wetter zeigt sich bedeckt, trotzdem möchten wir gerne das Mineralogische Museum mit Bergwerk besuchen. Ein kleiner Marsch, doch keiner kann uns den Weg zum Museum zeigen. Bis das Taxi uns abholt genießen wir noch das griechische Leben im Cafe.
Nach einer Woche verlassen wir das verregnete Athen. Mit spannenden Eindrücken nach intensiven Segeltagen kommen wir braun gebrannt und erholt in Frankfurt an. Ein schöner Törn mit viel Wind und vielen neuen Erfahrungen geht zu Ende.

Text und Bilder Volker Bruegel



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